INTERVIEWS

Für unsere Ausstellung im September 2026 haben wir die beteiligten Künstler:innen um einen Interviewbeitrag gebeten. Anbei die gesammelten Gespräche in der jeweiligen Originalsprache:

BENJAKON

Benjakon lebt und arbeitet. Er hat sich das alles ganz anders vorgestellt.
Eigentlich wollte er Papierflieger werden – jetzt hat er den Salat.
Aber er nimmt die Dinge ja gerne wie sie kommen. Es ist ja eh alles nur eine Frage der Perspektive, so sagt man. Sind zum Beispiel Kinder noch nicht fertige Erwachsene oder Erwachsene misslungene Kinder? Ist nicht der Weg das Ziel sondern das Ziel im Weg? Warum können sich Menschen unsichtbar machen, aber nur wenn keiner guckt? Alles eine Frage, wie man es betrachtet.

Er freut sich auf jeden Fall, dabei sein zu dürfen und dankt ganz herzlich dem Team für die Einladung.

BLAZEJ RUSIN

Where were you born and where did you grow up?
I was born 1988 in Bielsk Podlaski town, northeast Poland, on the border with Belarus, on the edge of Bialowieza primeval forest – the last natural forest of Europe.

Where do you live and work?
Currently, I live and work mostly in the city of Poznan in central-west Poland, important place in my often journeys has regular work and travel to Ukraine.

Please briefly describe your career path. How did you become an artist? What training and qualifications do you have? And when did you gain them? Have you also worked in fields other than the one for which you were invited to participate here?
Becoming and artist in my case was natural, constant process of painting since childhood. Continued with graffiti since year 2000, exhibiting since 2009, international projects and lecturing since 2009, Bachelors Degree in Graphic Design in 2011, Masters Degree in Painting 2013. Resulting with 23 solo/duo exhibitions, 31 groups shows, 29 festivals and presence of my works in private/institutional collections in US, Europe, Asia.
Please describe your artistic development – how did you start and in which direction have you developed? Were there any significant milestones along the way?
I started painting as a kid and never stopped. „The appetite grows with what it feeds on“ and that’s how my interest and competence grows with a time and dedication. Combining constant research in theory of art with great joy from painting fuels my progress.

Please write a few sentences about your contribution to the exhibition. What are you currently working on artistically? What do you feel is important to share about your work?
My contribution to the exhibition is macro and micro view on the process of sublimation of graffiti into painting. Extracting painting values from direct wall painting into classical canvas and drawing as way of thinking are my core ideas. My take is: Graffiti as subcultural phenomena will never be legit part of fine arts, but it still can bring a lot to the table in a field of painting and thanks to that can remain valid and be appreciated.

Which projects and collaborations in your career do you particularly like to look back on? Which ones do you think are particularly worth mentioning?
It always brings a bright smile on my face when I hear word ‚carrier‘ in the contexts of arts. I see being a painter rather like a diagnosis, call, path of life. Since I figured that out I feel free and clearly see the difference between arts and culture/subculture.

What does the term ‘Beyond Graffiti’ mean to you?
When I read the term ‘Beyond Graffiti’ first time I instantly had a vision of people looking up. Higher than street level of chrome letters, higher than bombed trains riding elevated tracks, higher than rooftops. What do those people see there? I don’t know yet. What I know is that I am one of those people, its important to all us and we do this exhibition to find out.

Which web link or Instagram channel of yours should we include in the brochure?
@blazejrusin

CREAM

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
 Ich bin in Potsdam geboren und aufgewachsen.
 
Wo wohnst und arbeitest Du?
Ich lebe seit über zwanzig Jahren in Berlin und arbeite hier auch. Allerdings bin ich auch sehr gerne auf Reisen und unterwegs.
 
Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Im Sommer 1991 hatte ich durch einen Freund in meiner Schule den ersten Kontakt mit der Graffitikultur. Einige Wochen später sah ich zufällig im Fernsehen den Spielfilm „Beat Street“. Fasziniert und inspiriert von diesen Eindrücken unternahm ich meine ersten eigenen Versuche mit Sprühdosen Bilder zu malen. Infiziert vom Graffitivirus habe ich ab 1992 dann richtig angefangen kontinuierlich zu sprühen und wurde Teil der lokalen Potsdamer Szene. Nach Beendigung der Schule 1995 habe ich eine Ausbildung zum Schilder u. Lichtreklamehersteller begonnen und 1997 erfolgreich beendet. Nach mehrmonatigen Auslandsaufenthalten in Ägypten sowie in Italien um die Jahrtausendwende absolvierte ich eine einjährige Weiterbildung im Bereich Multimediadesign und Filmproduktion. 2004 habe ich mich nach mehreren gescheiterten Bewerbungen an diversen Kunst Universitäten als freischaffender Künstler selbstständig gemacht. Seit dem arbeite ich selbstständig als freischaffender Künstler. Vor dem Beginn meiner professionellen Künstlerlaufbahn habe ich immer schon Graffiti-Workshops in unterschiedlichen Jugendeinrichtungen oder Schulen gegeben. Durch meinen autodidaktisch erlernten Erfahrungsschatz im Bereich der Kulturellen Bildung und der Kunstvermittlung unterrichte ich seit 2022 regelmässig an der UNI Potsdam/Golm im praktischen Bereich Kunst auf Lehramt.
 
Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Meine künstlerische Entwicklung begann bereits in der Kindheit: Ich zeichnete Urlaubseindrücke und stromerte durch die Nachbarschaft, wo ich aus gefundenen Materialien – alten Brettern, Kartons oder Draht – provisorische Buden und Verstecke baute. Diese frühen Experimente weckten meine Affinität zu räumlichem und materiellem Gestalten. Kunstzirkel in der Schule förderten dieses Interesse weiter und gaben mir erste handwerkliche Grundlagen. Mit 14 Jahren kam ich 1991 über einen Freund erstmals mit Graffiti in Kontakt. Die erste gemeinsame nächtliche Aktion – das anonyme Besprayen einer Brachfläche in Potsdam – prägte mich nachhaltig. Die eigenmächtige Platzierung kreativer Arbeiten im öffentlichen Raum wurde zur Leidenschaft. Ich trainierte intensiv handwerkliche Fertigkeiten, um komplexe Buchstabenkonstrukte von Skizzen großformatig auf unterschiedlichste Untergründe – Betonwände, Züge, Wellblech – zu übertragen. Mit Ausdauer entwickelte ich eine individuelle Formensprache, die dreidimensionale Effekte und Schattenwürfe einbezog. Die systematische Dokumentation mit einer Olympus Mju-I-Kamera wurde integraler Bestandteil meiner Praxis: Nur das Foto machte die vergängliche Arbeit dauerhaft. Im Austausch mit der regionalen, nationalen und internationalen Graffiti-Szene entstanden zahlreiche Arbeiten und grenzüberschreitende Interventionen. Die Etablierung einer anonymen Künstleridentität stärkte mein Selbstverständnis. Die gesellschaftlichen Umbrüche in Ostdeutschland nach der Wende boten unzählige freie Flächen – leerstehende Fabriken, Abrisshäuser, Baulücken – für experimentelle Selbstentfaltung. Diese Erfahrungen prägen bis heute meine Auseinandersetzung mit öffentlichem Raum und gesellschaftlicher Dynamik. 1998 erweiterte die Ausstellung „Sensation“ im Hamburger Bahnhof, besonders die rohen Fotografien von Richard Billingham, meinen Horizont für zeitgenössische Kunst. Nachhaltig beeinflussten mich Künstler:innen wie Jenny Holzer mit ihren textbasierten Interventionen und Boris Tellegen (Delta) mit seinen räumlich konstruierten Buchstaben. Ihre Arbeiten im öffentlichen Raum inspirierten mich, Vergänglichkeit und Dokumentation bewusst zu verknüpfen. In jahrelanger Praxis entwickelte ich eine eigenständige Definition von Kunst im öffentlichen Raum: Temporäre Wandmalereien und Installationen aus gefundenen oder recycelten Materialien erhalten erst durch die fotografische Dokumentation Langlebigkeit und werden so selbst zur Geschichte. Viele Arbeiten sind ortsspezifisch – etwa eine Intervention 2009 an einem ehemaligen Grenzübergang zwischen Potsdam und dem ehemaligen West-Berlin. Durch das aufstellen einer Gedenktafel am Tag des 20. Jahrestages des Mauerfalls auf der historischen Glienicker Brücke wollte ich an meinen ersten Grenzübertritt von Ost nach West am 11. November 1989 erinnern und damit die Frage nach Zugehörigkeit, Teilung und Grenzüberschreitungen thematisieren. Solche Projekte entstehen aus intensiven Recherchen zur Geschichte und Gegenwart eines Ortes und lassen sich oft von der Frage leiten: Wem gehört die Stadt, wer darf entscheiden wie sie aussieht und wie können wir kreativ mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von unserem Lebensraum umgehen? Von 2018 bis 2020 war ich Teil eines Kuratorenteams, das mit historischen Fotos und Relikten einen Abriss der Berliner Graffiti-Kultur von 1980 bis 2019 erarbeitete. Daraus entstanden die aufeinanderfolgenden Ausstellungen „SORRY“ und „BERLIN: Writing Graffiti“ in Berlin und Brüssel sowie ein begleitender Katalog. In zwei eigenen Publikationen – den Fotobänden „Mit Köpfchen, Herz & Militanz“ (2019) und „Taubenschiss und Firlefanz“ (2023), beide bei Hitzerot – verarbeitete ich meine künstlerische Biografie: Gemalte Graffiti als Interventionen im urbanen Raum wurden mit ortsspezifischen Ansichten und Stadtveränderungen collagiert. Mit der Fertigstellung dieser Bücher endete eine intensive Phase autodidaktischer Auseinandersetzung. Die Graffiti-Kultur wurde zum Wegbereiter, meine künstlerische Ader auszuleben und mein Verständnis von Verantwortung, künstlerischer Freiheit, sozialem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe zu schärfen.
 
Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Meine aktuelle Arbeit für die Ausstellung hat ihren Ursprung auf der Insel Hiddensee. Die Videoprojektion zeigt mich mit VR Brille auf dem Kopf. Ich agiere spontan in teilweise menschenleeren Landschaften. Zeitgleich erlebe ich die Natur um mich herum durch ein hochkomplexes, digitales Gerät. Mittels dieser Technik zeichne ich digitale Skulpturen in die Landschaft. Diese gezeichneten Skulpturen basieren auf klassischen Buchstabenskizzen und Graffiti typischen Elementen. Das technische Gerät ermöglicht mir zweidimensionale geplante Skizzen in Echtzeit in raumgreifende abstrakte Objekte und Skulpturen zu transformieren. Intuitiv entstanden aus dem Moment und der mich umgegebenen Szenerie. Die Aufnahmen zeigen einerseits mich in performativen Gesten. Teilweise wirkt es wie ein ungelenker Tanz. Der Betrachter sieht nicht was ich konstruiere. Erst durch die gefilmten Innenansichten der Brille erschließt sich dem Betrachter das Gestaltete und wie ich mit der Umgebung spiele. Diese Mischung aus kreativer Aneignung in digitaler Simulation zeitgleich situatives Agieren in wunderschöner Landschaft finde ich faszinierend und befremdlich zu gleich. Was hier geschieht, ähnelt einer Verschiebung von Realität. Der ursprüngliche Kontext bleibt spürbar, gleichzeitig wird er überlagert. Zeit lagert sich in Schichten ab, ohne sich vollständig rekonstruieren zu lassen. Interessant wird es dort, wo sich die Arbeiten der Kontrolle entziehen. Die augmentierten Konstrukte verschieben die Wahrnehmung merklich. Plötzlich ist das Bild nicht mehr dort, wo man es erwartet. Es erscheint zeitversetzt, gebunden an das Gerät. Diese zusätzliche Ebene wirkt nicht spektakulär im technischen Sinn, eher leise irritierend. Sie stellt die Frage, wie stabil ein Bild überhaupt sein kann. Um die flüchtig entstandenen digitalen Objekte für Betracher*innen in der analogen Welt nachvollziehbarer zu mach werde ich mit Hilfe eines 3D Druckers Fragmente davon materialisieren und für die Ausstellung in Miniatur-Landschaften arrangieren und die Insel Hiddensee abstrakt nachempfinden. 
 
Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Am liebsten male ich an unentdeckten und verlassenen Orten. Das sind häufig Plätze für die sich die meisten Menschen nicht interessieren. Solche „lost places“ erkunde ich sehr gerne zusammen mit engen Freunden auf der Suche nach geeigneten Stellen zum sie zu bemalen. Das sind für mich schöne Aktionen. Beispielsweise habe ich in Stuttgart ein großflächiges legales Bild gesprüht das physisch sehr anstrengend war. Ich hatte meinen Namen CREAM in die Aussage „Change Rules Everything Around Me“ erweitert und über die gesamte Industrielle Architektur des Areale verteilt. Um die gesamte Komposition überblicken zu können musste ich permanent über Leitern sowie Treppen hoch und runter klettern um in einem gegenüberliegenden Gebäude von einem bestimmten Punkt aus zu gucken ob alle Proportionen stimmten. Ich hatte einen Tag für das gesamte Bild Zeit und habe Non Stop bei gleißender Sonne gearbeitet.
 
Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Der Slogan „Beyond Graffiti“ bedeutet für mich die zeitgenössische Graffiti Kultur zu verstehen, zu hinterfragen und für mich zu interpretieren. Stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln ohne die Ursprünge zu verleugnen. Ein Spagat zwischen poetischer Destruktion, dem Bedürfnis nach Gesehen werden und ungebremster Kreativer Energie.
 
Welchen Web-Link bzw. Instagram Chanel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
@die_creme und creamism.de

MARVIN DAUMÜLLER

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Ich bin in Tübingen geboren und in der Nähe in einem kleinen Dorf Groß geworden.

Wo wohnst und arbeitest Du?
Ich studiere und arbeite in Stuttgart 

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Ich habe mit 12 Jahren angefangen Graffiti zu sprühen, über dieses Medium bin ich dann irgendwann zur Malerei/Zeichnung gekommen. Später habe ich dann angefangen Kunst zu studieren. 

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Graffiti hat mich stark geprägt, nicht nur stilistisch, viel mehr sich mit der Umwelt und dem Urbanen auseinanderzusetzen. Die Möglichkeit den urbanen Raum mit zu gestalten und sich den anzueignen. 
Graffiti sprühen war mir irgendwann zu uninhaltlich, vor allem als man sich mehr mit einem selbst und der Welt auseinandergesetzt hat. Da war die Malerei ein treffenderes Medium die eigene Beziehung  zur Welt besser beschrieben zu können.
Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?

Momentan untersuche den Naturbegegriff auf künstlerischer Weise. Dieser definiert sich nicht als reine wissenschaftlich-rationale Auffassung, sondern untersucht Natur als kulturell und historisch gewachsenes Konstrukt, das immer wieder neu interpretiert und emotional aufgeladen wird. Natur erscheint hier nicht als objektive Gegebenheit, sondern als Projektionsfläche menschlicher Vorstellungen, Ängste, Sehnsüchte und Ordnungsbedürfnisse. Der Fokus liegt auf ihrer symbolischen und sinnlichen Dimension als kulturell geprägte Wahrnehmungsform. Die Ästhetik speist sich gleichermaßen aus prähistorischen wie zeitgenössischen Bildwelten und erzeugt einen hybriden Wahrnehmungsraum, der als spekulative Parallelwelt erfahrbar wird.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Ich finde es spannend durch die entstandene Sachen, den eigenen Werdegang und die Auseinandersetzung mit einem selbst zu beobachten. Besonders schaue ich auf gerne auf Arbeiten zurück die persönliches und besonders ehrliches widerspiegeln. 

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Für mich hat die Kunst die ich mache nichts mit Graffiti zu tun. Klar, ist der Stil vor allem bei der Zeichnung stark davon geprägt aber ich praktiziere und  betrachte die Dinge getrennt. 
Vielmehr berufe ich mich auf die Methoden und Technik die Jahrhunderte vor dem Graffiti entstanden sind, aus der dann später das Sprühen entstanden ist.
Ebenso ist für mich Graffiti ein Medium das ausschlich im illegalen stattfindet in seiner reinsten Form. Der Rest interessiert mich nicht wirklich. Die Übersetzung dieser Form in einen legalen und elitären Kunstraum scheitert meistens schon am Versuch und gehört auf eine gewisse Weise dort auch nicht hin. Allein schon aufgrund der Tatsache, dass sie in einem ganz anderen Milieu und mit ganz anderen Gesetzen stattfindet. 

Welchen Web-Link bzw. Instagram Channel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
@marvindaumueller

EMMET EDELSTEIN

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Based in Berlin since 20 years.

Wo wohnst und arbeitest Du?
Berlin.

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Ich habe mit etwa 14/15 angefangen Graffiti um mich herum zu fotografieren, damals noch mit einer kleinen analogen Knipse und mit begrenzten Mitteln. Jede Auslösung war kostbar. Irgendwie war es mir damals aber schon wichtig diese vergänglichen Bilder festzuhalten. Ich habe damals auch selber gemalt, aber wirklich festgehalten, habe ich eher die Werke anderer
Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?

Als ich dann Jahre später nach Berlin gekommen bin, ging das nahtlos weiter. Die Kamera wurde digital, es waren deutlich mehr Fotos möglich zu machen. Aber alles was ich schon von Fotos kannte, habe ich eigentlich nicht noch mal fotografiert. Es kam der Punkt wo ich mich entscheiden musste, wollte ich selber malen oder fotografieren gehen. Ich habe mich, wie man sieht, für letzteres entschieden. Und so wurde die Kamera über Jahre größer und die Objektive spezieller. Über Fotos, die ich damals nicht gemacht habe ärgere ich mich manchmal noch. Mittlerweile versuche ich lieber eine Aufnahme zu viel zu machen und später dann auszuwählen. Auch hat sich der Fokus auf bestimmte Akteure herauskristallisiert. Man kann in einer Stadt wie Berlin nicht alles dokumentieren und da habe ich selber viel mehr Freude einzelne Entwicklungen zu beobachten, als vermeintlich wichtige oder berühmte Werke zu fotografieren. Es gab auch eine Zeit, in der ich wieder mehr analog fotografiert habe. Es ist ein anderes arbeiten. Aber durch die mittlerweile immensen Kosten, drücke ich da nur noch sehr selten den Auslöser.

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
In meinem Beitrag sieht man 42 Fotos, die in den letzten 16 Jahren entstanden sind. Es ist eine Auswahl an Akteuren, die ich schon lange beobachte und dokumentiere. Einige sind bekannter, als andere, manche durchgängig aktiv gewesen, andere hatten eine lange Pause und wiederum einige machen heute nichts mehr oder sind schon verstorben. Die fotografierten Motive existieren zu 95 % nicht mehr, auch wenn sie teils erst vor Tagen eingefangen wurden.
Meine Arbeit fängt erst da an, wo andere schon etwas hinterlassen bzw. geschaffen haben. Das ist ein wesentlicher Teil von jedem Foto und die Wichtigkeit erkennt man vielleicht erst nach Jahren.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Zu jedem der gezeigten Fotos, kann ich eine Geschichte erzählen, aber ich möchte hier zwei Sachen etwas mehr ausführen.
Zum einen sind es die abstrakten Wholecars der DIAMONDS Crew. Diese zu fotografieren, hatte eine Intensität, die es bis dahin nur selten gab. Jeder Blickwinkel hatte seine Eigenart. Als ich dann in die Bahn eingestiegen bin und die Sonne durch die bunten Fenster schien und der ganze Waggon wie eine Kathedrale mit bunten Mosaikfenstern wirkte, war das ein einmaliger Moment.
Zum anderen möchte ich meine Reise nach Hamburg 2018 erwähnen, bei der ich die Werke von OZ versucht habe einzufangen. OZ ist 4 Jahre zuvor gestorben und er war einmalig in seiner Formsprache, Aktivität, Spotwahl, Technik und noch vielem mehr. Er hat das Stadtbild von Hamburg über Jahrzehnte geprägt. Trotzdem kam nichts heraus, was das Werk von ihm mal genauer beleuchtete. Bis heute hat sich das nicht groß geändert. Ich hatte keinen Kontakt zur Szene und bin dann tagelang durch Hamburg gefahren und gelaufen, um seine Spuren tausendfach zu dokumentieren. Es ist unfassbar wie viel OZ gemacht hat, doch auch hier ist der Großteil bereits verschwunden.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Dazu habe ich eigentlich keine besondere Meinung. Als Ausstellungstitel finde ich ihn gut. Im Sprachgebrauch wird der Begriff sich bei mir aber nicht wiederfinden. Alle paar Jahre werden neue Umschreibungen gesucht und verwendet, um Kategorien zu schaffen. Für mich ist der Begriff irrelevant, sofern das Werk etwas in mir auslöst.

Welchen Web-Link bzw. Instagram Chanel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
@der_edelstein

GIZEM ERDEM

Where were you born and where did you grow up?
I was born in grew up in Ankara/Turkey

Where do you live and work?
Cologne
Please briefly describe your career path. How did you become an artist? What training and qualifications do you have? And when did you gain them? Have you also worked in fields other than the one for which you were invited to participate here?

I studied graphic design and worked for several years as a graphic designer, but my real goal was always to become an illustrator. Over time, I began to incorporate more and more illustration into my graphic design work, until eventually I was primarily illustrating, with just a bit of layout work around it.
In 2019, I left my job as an employed graphic designer to start my freelance career as an illustrator, fully committing to that path.
At the same time, I had always been fascinated by murals, though I didn’t really believe I could paint one myself. Many friends of mine who are street and graffiti artists constantly encouraged me to start working on walls. Gradually, I began painting small walls here and there, and in 2022 I was invited to the Stadt Wand Kunst Festival, where I created my first large scale mural.
Since then, murals have become a big part of my practice as well.

Please describe your artistic development – how did you start and in which direction have you developed? Were there any significant milestones along the way?
I used to work mainly on portraits, but after several years I felt the urge to move toward something that would allow me to explore narratives and more complex scenes. During the pandemic, I finally had both the time and the courage to experiment and develop something new.
One of the challenges I set for myself was to work with characters while reducing facial details, finding ways to express emotion and storytelling through other elements. This led me to develop my current style though it continues to evolve over time.

Please write a few sentences about your contribution to the exhibition. What are you currently working on artistically? What do you feel is important to share about your work?
Both my digital and mural work mainly focus on female and POC characters, centering their representation, visibility, and presence within everyday narratives. I’m particularly interested in portraying these figures in simple, non-complex moments of daily life.
In my mural work especially, I aim to create still, quiet scenes, pauses within the chaos of the city that invite reflection and a sense of calm.

Which projects and collaborations in your career do you particularly like to look back on? Which ones do you think are particularly worth mentioning?
I must mention Stadt Wand Kunst again. as the opportunity to paint a large scale wall both as a newcomer and as a female artist became a turning point that opened many doors in my mural journey. I would also highlight PFFFestival and the Femgazed Festival as some of my best experiences, particularly in terms of artist care, communication, and support.

What does the term ‘Beyond Graffiti’ mean to you?
For me, it’s about the larger movement and the culture that has evolved around the art form itself.

Which web link or Instagram channel of yours should we include in the brochure?
gizem-erdem.com und @gizem___rdm

EROSIE

Where were you born and where did you grow up?
I was born in the south of the Netherlands, Roozendaal. I grew up in Zwolle and later in Eindhoven where I first got in touch with graffiti in the late 80’s

Where do you live and work?
Eindhoven, Netherlands

Please briefly describe your career path. How did you become an artist? What training and qualifications do you have? And when did you gain them? Have you also worked in fields other than the one for which you were invited to participate here?

I started graffiti in 1993, went to art school in 1996 so in my perception I had two separate but complimentary art educations. To me both graffiti and the art world are a means to an end artistically. 

Please describe your artistic development – how did you start and in which direction have you developed? Were there any significant milestones along the way?
I like to move freely between genres, disciplines and shape my output accordingly. Exactly this to me is a challenge in the social media attention economy that tends to shape our artistic output so intensely. Always try to keep the personal handwriting, try to keep the initiative, the purpose. Staying curious. 
I see myself in the basis as a drawer, working with the instant, direct gestural line. This is the core for my interest in graffiti, typography, fine art, but I try to find many ways to use it or look at it. 
Doing the perfect circle with spraycan in 2008 helped me to realize this, also the first drawings of my son where magical to me. After that period I tried to see the iterative beauty of drawing, understanding that process. The intuitive approach in relation to ratial frameworks. It helped me see what attracted me to doing graffiti once and helped me translate this into a different approach without feeling I lost that touch, I just adjusted it, updated it. The art “game” often makes you feel you have to either fully hide this past or on the contrary fully explicitly exploit it, but I think it’s interesting to have an ambiguous position in this. 

Please write a few sentences about your contribution to the exhibition. What are you currently working on artistically? What do you feel is important to share about your work?
I’d like to show a cross section of my practice, many different approaches presented equally. To me that’s exactly what it is all about, to show a diversity of output, I guess that’s what I stand for generally.

Which projects and collaborations in your career do you particularly like to look back on? Which ones do you think are particularly worth mentioning?
I am happy to work with dj/musician Martyn on our label 3024 already for almost 20 years. It’s always been an interesting connection, music and visual art. Also I am still reminded about the Eroded City Cycles that I enjoyed doing a lot. 

What does the term ‘Beyond Graffiti’ mean to you?
I think to me it stands for having roots in graffiti but simultaneously being emancipated from it so to say; the sub cultural conventions of the game can be personally interpreted, with the aim to find a personal language or approach. I see graffiti as a sport discipline almost, a field with lines, players and rules, all to make the game work, as it has already for ages. I have been curious the past decades to see what’s outside that field, how to play a different game, take some rules but neglect or personalize others. In the big picture it’s just how people organize themselves. It’s funny for instance to see the artworld is just another game, a bigger, more complex field with lines, rules and prizes. There’s some place in between there that fits me and I guess I’m still searching for it. 

Which web link or Instagram channel of yours should we include in the brochure?
erosie.net

EVOL

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Meine Familie kommt aus ursprünglich aus dem Kölner Raum, aber ich bin in Heilbronn geboren und aufgewachsen.

Wo wohnst und arbeitest Du?
Seit über 25 Jahren in Berlin
Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?

Wie viele andere auch sagen werden: „eigentlich habe ich immer schon gemalt“, so auch ich. Malen allerdings war nie wirklich meines – Farben mischen, Pinsel auswaschen war nichts für mich, ich habe lieber gezeichnet, schwarz auf weiß.
Als ich mehr durch Zufall mit Sprühdosen in Kontakt kam, war es wie eine kleine Offenbarung:
in großem Maßstab Zeichnen/Malen, fertiggemischte Farben und das beste: man sucht sich einen Ort, und am nächsten Tag können es viele Leute sehen. Von Graffiti hatte ich keine Ahnung, aber die genannten Attributen haben mich ich angezogen.
Nach und nach habe ich dann verschiedene Sprüher kennengelernt und eine ganz neue „Gesellschaft“ für mich entdeckt, wollte nur noch das machen. Etwa ein Jahr habe ich mich über Nebenjobs und später Auftragsarbeiten finanziert.
Irgendwann habe ich mich für Kunst in Frankfurt und für Grafik in Mainz beworben, wurde aber jeweils abgelehnt. Ich habe dann Produktgestaltung in Schwäbisch Gmünd studiert und eine Weile als Gestalter in einem Stuttgarter Büro gearbeitet. Nebenher habe ich aber immer weiter ‚Kunst‘ gemacht. Allerdings weniger Graffiti, mehr große plakatierte Figuren und zeitgleich mit meinem Umzug nach Berlin, habe ich angefangen mit Schablonen zu experimentieren.

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt?
Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Ich bin ja eher ein Quereinsteiger, aber habe auch immer Leute gefunden, denen gefiel, was man so tat, und einen dabei unterstützen. Für Heilbronn gab es da vor allem zwei für mich wichtige Orte – das Pro Vanille (wo wir zum ersten Mal überhaupt etwas austellen konnten) und das Hotel Burkhardt mit seinem unkonventionellen Besitzer, der uns freie Hand beim Bespielen seiner mehrstöckigen Tiefgarage ließ, und somit dafür sorgte, daß wir praktisch in den Genuß eines subventionierten, Tag-und-Nacht zugänglichen Ateliers kamen.
Das Studium muß erwähnt werden, da man (vom inhaltlichen ganz abgesehen) Zugang zu neuen Techniken wie Siebdruck, Fotografie etc. bekam, und auch dort neue Gleichgesinnte getroffen hat. Gleichzeitig entwickelte sich auch das Internet mit ungeahnten Möglichkeiten der Verknüpfungen und Präsentation. So trugen folgende Webseiten mit ihren Communities für mich auch maßgeblich zur Weiterentwicklung bei:
Stickernation (eine englische Seite, mit anfänglichem Schwerpunkt auf Aufklebern, aber dann auch Poster oder Paste-ups), Stencilrevolution (australisches Forum für Schablonengraffiti), Ekosystem (italienischer Blog über Graffiti und Streetart), Woostercollective (New Yorker Blog über Streetart) und flickr (das erste wirklich gut funktionierende Forum für Fotografie).
Diese internationale Vernetzung war schon extrem fruchtbar – zum einen um zu sehen, was andernorts passiert, sowie um anderen Leuten seine eigenen Arbeiten zeigen zu können.
Nicht nur die Arbeiten entwickelten sich dadurch weiter, sondern auch Kontakte und Möglichkeiten zu Reisen und anderswo ausstellen zu können. Letztlich ja dann auch, um sogar davon leben zu können, und nicht nur damit.
Durch diese Art derPräsentation hat sich für mich auch die Herangehensweise geändert, indem ich angefangen habe, den Fokus mehr auf den eigentlichen Ort zu legen, an dem man eine Arbeit realisiert. Während ich früher ein bestimmtes Motiv zuhause am Schreibtisch erstellt habe, dann mithilfe einer Skizze an einem neuen Ort realisiert habe, habe ich angefangen erst nach interessanten Orten zu suchen, um mir dann zu überlegen, was ich mit diesem Ort anstellen könnte und dann idealerweise auch mit dem zu arbeiten, was man dort vorfindet.
Seien es Figuren, die man spontan an die räumliche Situation anpassen kann, oder – wie im Falle der Plattenbauten auf Stromkästen – eigentlich eher übersehene Objekte, die aber durch ihre Umwandlung zu einer Art Format werden, da diese Stadtmöbel auf ihre Art universal sind.

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Die Arbeiten sind Teil meines „Plattenbauten“-Projekts, welches ich seit über 20 Jahren immer wieder bespiele.
Angefangen habe ich damit, in Berlin Stromkästen in Miniatur-Plattenbauten zu verwandeln.
Als Erinnerung daran, wie eine soziale und politische Utopie sich in einen dysfunktionalen Überwachungsstaat verwandelte. Der Plattenbau fungiert als architektonisches Symbol einer einst verheißungsvollen Lösung für marode Substanz und Wohnungsmangel nach dem zweiten Weltkrieg. Heute sind die Gebäude quasi aus den modernisierten, überteuerten Innenstädte an die unrepräsentativen Stadtränder verbannt.
Die Idee war, die nun eher in Ungnade gefallenen Gebäude, als kleine Mahnmale an die gescheiterte Utopie und eine sich verschärfende Klassengesellschaft, symbolisch aus den
Vororten zurück in die aufgehübschten Innenstädte zu bringen.
Stromkästen boten sich deshalb als eine Art Format an, da sie in jeder Straße, Stadt und Land vorkommen, sie Witterung und Benutzung ausgesetzt sind. Spuren, die ich bei der Umgestaltung auf jeden Fall bewußt beibehalten und integrieren wollte.
Es geht auch nicht darum, bestimmte Gebäude nachzubilden, sondern bestehende räumliche Strukturen mithilfe eines Modulbaukastens in neue kleine Utopien zu verwandeln.
Vorbilder für meine auf Schwarz und Weiß reduzierten Illustrationen der einzelnen Module, sind allerdings die in Haus15 des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit verwendeten WBS70 Elemente.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Ich freue mich immer über Dinge, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte.
Zum einen Orte, die man zufällig findet, und die besonderes ermöglichen, wie zB die Betonfundamente eines stillgelegten Schlachthofes in Dresden (das Resultat ist auch in der Ausstellung zu sehen, als „Caspar-David-Friedrich-Stadt“), einen Feigenbaum, der mittlerweile in einem ehemaligen Gefängnishof wächst, ein Industrieaufzug ohne Wände. Oder auch Leute, oder Institutionen, die einem besonderes ermöglichen – zB das Dockville Festival in Hamburg, wo ich eine Installation buchstäblich im Boden versenken konnte, ZoneContemporaine in Bern, die mich eine 30*8m große Installation bauen ließen.
Etwas stolz machen mich dann auch Projekte, die an Orten bestehen, die eigentlich gar nicht dafür vorgesehen waren, wie Wände und Säulen im Palais de Tokyo, im Hof des Museums für Architektur in Moskau, oder zum Beispiel im kleinen Museum für Druckgrafik in La Louviere, wo ich zu einer Gruppenausstellung vorschlug, die Betonsäulen einer Etage in der Ausstellungsfläche in Hochhäuser zu verwandeln – die wollten das erst nicht, weil die Architekten etwas dagegen haben, ich konnte sie aber überreden mithilfe von vielen Schichten Tapetenkleister, das ganze nach der Ausstellung wieder leicht entfernbar zu machen. Offenbar haben sie allerdings anschließend ihre Meinung geändert – denn seit fast 15 Jahren erfreuen sie sich nun schon darüber, praktisch ein Teil des Museums geworden zu sein.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Das „Beyond“ beschreibt eigentlich ganz gut, wie, und von wo, ich eigentlich selbst zum Graffiti kam, ohne New York, ohne Beatstreet oder HipHop, und auch, wenn ich diese neue Welt spannend und faszinierend fand, so gab es doch relativ viele dogmatische Regeln, bei denen ich gerne dabei mitgeholfen hätte, sie etwas zu verschieben. Und bis heute sind mir auch die Künstler am liebsten, dieser Szene völlig neue Elemente hinzufügen, oder sie in gänzlich neue Dimensionen führen 😉

Welchen Web-Link bzw. Instagram Chanel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
evoltaste.com und @rinkveld sowie @berichte_aus_der_provinz

DAVID LUEPSCHEN

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
In Köln

Wo wohnst und arbeitest Du?
Berlin

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Ich habe früh angefangen zu zeichnen und bin über Graffiti zur Gestaltung gekommen.
Ich habe zunächst Farbdesign studiert (bis 2005) und anschließend Kommunikationsdesign (bis 2010) abgeschlossen. Bereits während des Studiums hatte ich erste Ausstellungen mit eigenen Arbeiten.
Parallel dazu habe ich selbstständig im Bereich Animation gearbeitet, zunächst mit einem Fokus auf Stop-Motion, später auch im kommerziellen Bereich von Live-Action- und CGI-Animation. Daraus hat sich nach und nach meine heutige Praxis entwickelt, in der charakterbasierte Arbeiten und Animation eine zentrale Rolle spielen.
In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Formen und charakterhaften Elementen, die durch Bewegung, Haltung und kleine Verschiebungen eine eigene Präsenz entwickeln – sowohl in Animationen als auch in statischen Arbeiten wie Zeichnung, Malerei oder Objekten.
Parallel zu meiner künstlerischen Arbeit arbeite ich als selbstständiger Motion Director mit meinem Studio Edgar.

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Am Anfang stand für mich Graffiti im Zentrum. Daraus hat sich alles Weitere entwickelt. Ausgangspunkt waren Buchstaben, die sich mit der Zeit aufgelöst und in eigene Formen und Charaktere weiterentwickelt haben – vom illegalen Raum über Leinwand bis hin zur Animation.
Ich habe auf Leinwand gearbeitet und parallel als kommerzieller Artist, von Videoprojektionen bis hin zu bemalten Räumen und Objekten.
Zur Animation bin ich über freie Arbeiten gekommen. Unter dem Namen Lichtfakt habe ich gemeinsam mit einem Kollegen erste experimentelle Animationen umgesetzt – vor allem im Bereich Stop-Motion und Langzeitbelichtung aus der Fotografie. Bewegung wurde dabei zunehmend zu einem zentralen Element.
Heute bewegt sich meine Arbeit zwischen Animation und statischen Medien wie Zeichnung, Malerei und Objekt. Der Kern ist dabei gleich geblieben: Formen und Charaktere, die durch kleine Verschiebungen, Haltung oder Bewegung eine eigene Präsenz entwickeln.

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Für die Ausstellung zeige ich eine Serie von Videoarbeiten.
Im Zentrum steht Animismus. Mich interessiert, wann einfache Formen anfangen, eine eigene Präsenz zu entwickeln.
Ich arbeite mit Bewegung, Rhythmus und Reduktion. Es geht nicht um Narration, sondern eher um Zustände wie Spannung und Balance.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Ich schaue vor allem auf Projekte zurück, bei denen ich gestalterisch und konzeptionell eng eingebunden war.
Besonders wichtig sind für mich Kollaborationen, in denen wirklich Raum für eigene Ideen war und ich nicht nur umsetze, sondern mitgestalten kann.
Neben größeren Produktionen sind mir auch freie und experimentelle Arbeiten wichtig, da sie oft direkter aus meiner eigenen Praxis entstehen.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Für mich bedeutet „Beyond Graffiti“, dass Graffiti der Ausgangspunkt ist, aber kein festes System.
Ich komme klar aus dem Arbeiten mit Buchstaben im öffentlichen Raum. Mit der Zeit haben sich diese Formen aufgelöst und in andere Richtungen entwickelt – Animation, Zeichnung, Malerei, Objekt.
Was geblieben ist, ist der direkte Zugang und das Arbeiten aus sich selbst heraus.
„Beyond Graffiti“ ist für mich kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung.

Welchen Web-Link bzw. Instagram Channel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
davidluepschen.studio 
und @davidluepschen

MINA MANIA

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
München und Suburbia

Wo wohnst und arbeitest Du?
Berlin

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler
geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und
wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Neugier und Offenheit prägen meinen Weg. Von Graffiti über Theater bis zur
Werbung bin ich in verschiedene kreative Welten eingetaucht. In Hamburg habe ich Mediengestaltung gelernt und bin seit 2012 freischaffende Künstlerin. Eine längere Zeit in Paris hat meinen Blick geweitet und mich künstlerisch sehr
bereichert.

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen
und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf
diesem Weg?
Kreativität war für mich schon immer die naheliegendste Ausdrucksform – ob
mit Stift, Pinsel oder Dose.
Das Zeichnen hat mich von Anfang an begleitet.
Viele Zwischenschritte waren wichtig, aber wirklich richtungsweisend war die
Entwicklung meiner Figur „Nana“. Seitdem bildet sie den Kern meiner Arbeit und taucht in unterschiedlichen Kontexten auf.

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Meine künstlerische Praxis ist vielseitig und verändert sich je nach Projekt,
behält aber eine klare, wiedererkennbare Bildsprache und Energie.
Im Zentrum steht Nana – eine Figur im ständigen Wandel. Sie zieht sich als
roter Faden durch meine Arbeiten und symbolisiert Stärke, Leichtigkeit, Freiheit und Lebensfreude. Ich erschaffe Bilder und Räume, die Geschichten erzählen, Emotionen ansprechen und zu dazu einladen, eigene Assoziationen und Erfahrungen einzubringen und sie als etwas Fluides zu begreifen.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du
besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders
erwähnenswert?
Besonders gern erinnere ich mich an Projekte an der Schnittstelle
unterschiedlicher Disziplinen.
Dazu gehören die 4,50 Meter hohe Stahlskulptur „Nana 0208 / Robot Nana“
(Heidelberg, 2022), das Zugaben-Bühnenbild und die Kostüme für „Dicht &
Ergreifend“ (Tour „Es werde dicht“, 2023/2024) sowie die Bemalung des 84 m
hohen Schornsteins „Heidelberg Bleistift“ (2024).
Solche Arbeiten entstehen im engen Austausch mit anderen Kreativen durch
komplexe Prozesse – und entwickeln dabei ihre eigene Magie.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
„Beyond Graffiti“ ist für mich Haltung und Lifestyle – im Mittelpunkt stehen
Energie, Freiheit und ein kreativer Umgang mit dem Umfeld.

Welchen Web-Link bzw. Instagram Channel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
@theminamania

POMESONE

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Ich bin 1987 im nördlichen Ruhrgebiet geboren – einer Region, in der die Städte so nahtlos ineinandergreifen, dass man eher in einer Mega-City als in einer einzelnen Stadt aufwächst. In diesem dichten urbanen Geflecht Nordrhein-Westfalens verschwimmen die Grenzen, sowohl geografisch als auch künstlerisch. Für mich als jungen Sprüher war diese Kulisse ein Eldorado der Möglichkeiten: ein unendlicher Vorrat an Oberflächen und Strukturen, die durch eine enorme Dichte an Gleichgesinnten belebt wurden. Dieser Reichtum an unterschiedlichsten Stilen und Ansätzen wirkte wie ein Katalysator – die schiere Vielfalt forderte es geradezu heraus, den Raum der Möglichkeiten radikal auszuschöpfen, anstatt sich in Wiederholungen zu verlieren. Es war dieses Umfeld, das mich lehrte, klassische Elemente nicht nur zu besetzen, sondern sie in ihrer Komplexität zu begreifen und schließlich künstlerisch zu dekonstruieren.

Wo wohnst und arbeitest Du?
2018 hat mich der Beruf nach Baden-Württemberg geführt, wo ich während meiner fünf Jahre in Stuttgart ein wertvolles Netzwerk aus Kreativen und Kulturschaffenden aufgebaut habe. Ende 2022 bin ich der Liebe wegen in den Raum Heilbronn gezogen. Dieser Ortswechsel hat meinem Schaffen eine neue, fokussierte Ruhe gegeben – eine Art inhaltlichen Ankerpunkt, der es mir erlaubt, meine dekonstruktiven Konzepte abseits des urbanen Rauschens weiterzuentwickeln. Auch wenn ich momentan hier lebe, bleibt meine Arbeit in ihrem Anspruch und ihrer Reichweite natürlich weiterhin überregional und international ausgerichtet.

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Mein Werdegang begann mit einer klassischen, fast schon archäologischen Auseinandersetzung mit der Graffiti-Kultur der frühen 2000er. In einer Zeit, in der das Internet als Wissensquelle noch eher rar war, habe ich mich durch Magazine gearbeitet. Über einen Zeitraum von zehn Jahren entwickelte sich mein Blick so weg vom reinen Buchstaben-Style hin zu einer Faszination für Grafik, Logos und die Typografie.
Diese visuelle Neugier mündete zunächst in einer Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten, die für mich das notwendige Fundament und den Zugangsweg zur akademischen Laufbahn bildete. 2008 begann ich mein Studium im Kommunikationsdesign in Düsseldorf. Während des Weges zum Bachelor of Arts verschob sich mein Fokus zunehmend auf die Kommunikation im Raum und das Ausstellungsdesign – Interessen, die ich schließlich in einem Master in „Exhibition Design“ vertieft und transformiert habe.
Heute bewege ich mich beruflich in einem Spannungsfeld zwischen kommerzieller Präzision und freier Kunst. Während ich auf professioneller Ebene komplexe Erscheinungsbilder, Markenidentitäten und Orientierungssysteme entwickle, nutze ich diese Expertise in der bildenden Kunst, um klassische Graffiti-Elemente mit den Werkzeugen des Designs und der räumlichen Kommunikation zu dekonstruieren.

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Meine künstlerische Reise begann im klassischen, farbgewaltigen Graffiti, doch schon früh setzte ein Prozess der bewussten Reduktion ein. Inspiriert durch den internationalen Austausch, begann ich, die komplexen Buchstabenstrukturen systematisch zu skelettieren: einfachere Formen, der Verzicht auf klassische Outlines, die Konzentration auf reine Flächen.
Ein entscheidender Zwischenschritt war die Arbeit in Kollektiven. Getrieben von einer enormen Gruppendynamik und der rasanten Vernetzung durch das Internet, entstand eine Art Laboratorium der Vielfalt. In diesem Umfeld haben wir uns gegenseitig zu immer reduzierteren Ansätzen gepusht. Die Dekonstruktion wurde dabei so konsequent, dass die Ergebnisse die traditionellen Sehgewohnheiten von Graffiti sprengten.
Parallel dazu vollzog sich ein technischer Wandel: Die Sprühdose trat in den Hintergrund und wurde durch Streichfarbe und Farbrollen-Techniken „ersetzt“. Damit veränderte sich nicht nur die Textur, sondern die gesamte Herangehensweise. Unter der Prämisse, dass der Negativraum eines Motivs dieselbe Relevanz besitzt wie die Form selbst, entwickelte sich meine Arbeit weg vom klassischen ‚Writing‘ hin zu einer freien Malerei von Form, Farbe und Fläche. Heute ist das, was früher ein Buchstabe war, ein Impuls für eine abstrakte Komposition.

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Mein Beitrag zeigt eine Auswahl meiner Arbeiten aus den letzten vier Jahren und verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen dem urbanen Raum und der klassischen Bildfläche. Auf der einen Seite stehen großflächige Gestaltungen, die ich als ‚Grafikgraffiti‘ bezeichne: Diese Werke definieren sich durch starke farbliche Elemente, die sich räumlich behaupten und ihre alltägliche Umgebung geradezu zwingen, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Sie fungieren als Fremdkörper und harmonische Komposition zugleich.
Auf der anderen Seite dazu steht eine Leinwandserie, die zwar eine andere stilistische Sprache spricht, aber derselben Logik folgt: Der Raum, auf dem und mit dem etwas entsteht, definiert unmittelbar den Entstehungsprozess. Es gilt das Prinzip: ‚Wo ich male, definiert, was ich male.‘ Dabei bleibt die bewusste Mitgestaltung des Negativraums meine fundamentale Regel. Für mich ist wichtig, dass meine Kunst keine bloße Dekoration ist, sondern eine bewusste Setzung von Form und Farbe, die die Wahrnehmung von Oberflächen und Räumen radikal verändert. Ob es jemandem gefällt ist ein Bonus, aber nicht führend für meine Arbeit. Wichtiger hingegen ist für mich, dass die Betrachtenden eigene Faszination entwickeln. Das ist der große Mehrwert in abstrakter, dekonsturierender Gestaltung.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Es fällt mir schwer, einzelne Projekte isoliert hervorzuheben, da mein Blick auf das eigene Werk ständig im Fluss ist. Wenn ich heute durch meine Dokumentationen blättere, entdecke ich oft in Arbeiten neue visuelle Spannungen und Momente, die mir damals vielleicht gar nicht so bewusst waren – das macht jedes Projekt rückblickend auf eine eigene Weise wertvoll.
Was für mich jedoch weit über den rein künstlerischen Output hinausgeht, sind die Verbindungen, die dabei entstanden sind. Ich bin extrem dankbar, dass meine Laufbahn mich mit Menschen zusammengeführt hat, die ich heute zu meinen Freunden zähle. Dabei geht es mir nicht darum, Namen für ein Portfolio aufzuzählen oder Hierarchien zu bilden. Vielmehr ist es die geteilte Energie dieser Kollaborationen, die mich geprägt hat. Auch wenn sich manche Wege über die Jahre getrennt haben, bleibt die Wertschätzung für diese Menschen stark. Für mich sind am Ende die menschlichen Resonanzen das eigentlich Erwähnenswerte meiner bisherigen Reise.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Der Begriff ‚Beyond Graffiti‘ beschreibt meinen aktuellen Standpunkt ziemlich präzise. Klassisches Graffiti ist nach wie vor ein elementarer Teil meines Lebens und meiner Identität; ich verstehe mich weiterhin als Teil dieser Szene. Gleichzeitig bewege ich mich durch die konsequente Dekonstruktion meiner Arbeiten an den äußeren Rändern dieses Spektrums.
Für mich markiert ‚Beyond‘ den Moment, in dem die Energie und die Sozialisation des Graffiti in eine neue, abstrakte Formsprache übergehen. Ich bin mir oft selbst nicht sicher, ob das, was ich tue, noch unter den klassischen Graffiti-Begriff fällt – und genau diese Unschärfe empfinde ich als befreiend. Letztlich lässt sich für mich sagen: Graffiti war die Sprache, die ich gelernt habe, aber ‚Beyond‘ ist der Raum, in dem ich diese Sprache zerlege, um für mich etwas völlig Neues, Eigenständiges entstehen zu lassen.

Welchen Web-Link bzw. Instagram Chanel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
www.pomesone.com und @pomes_1

STUDIO VIERKANT

Wer oder was seid ihr?
Wir sind ein Künstlerkollektiv/Designstudio aus Stuttgart.

Wo wohnt und arbeitet ihr?
Unser Studio ist an den Wagenhallen im Stuttgarter Norden. Wir arbeiten dort wo unsere Dienste gefragt sind, in Stuttgart, aber auch Deutschlandweit und ab und an auch mal im Ausland.

Bitte beschreibt kurz euren Werdegang.
Philipp Becker, Jan Ducks und Georg Waibel haben Studio Vierkant 2020 gegründet. 2023 kam Michel Balke dazu. Seitdem sind wir zu viert, was beim Namen Vierkant auch konzeptuell schlüssig ist.

Beschreibt bitte eure Entwicklung – wie habt ihr angefangen und wohin habt ihr euch entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Angefangen mit viel Ambition, wenig Budget und der Überzeugung, dass „Konzept“ das Wort ist, das Graffiti salonfähig macht. Irgendwann haben wir aufgehört, das zu erklären, und einfach angefangen, Fassaden zu bemalen und Bücher zu machen. Die Logik erschließt sich nicht sofort. Das ist für uns in Ordnung.

Schreibt bitte einige Sätze über euren Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitet Ihr gerade? Was ist euch wichtig, zu eurem Beitrag mitzuteilen?
Wir zeigen eine Collage von Versatzstücken aus aktuellen und abgeschlossenen Arbeiten.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaut ihr besonders gerne zurück? Welche sind eurer Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Im Kern: großformatige Wandbilder, kuratorische Projekte, bei denen wir versuchen, urbane Kunst in institutionelle Kontexte zu bringen ohne dabei das Interessante rauszufiltern. Das PFFFestival in Stuttgart ist unser fortlaufendes Experiment darin, dass beides gleichzeitig geht.
K30 in Stuttgart war ein Offspace den wir selbst mitbetrieben haben, was bedeutet: volle kreative Kontrolle, viele Künstler*innen, wenig Budget, maximale Lernerfahrung. Graffiti im Kessel im StadtPalais Stuttgart war der Moment, in dem klar wurde, dass Graffiti im Museum nicht automatisch aufhört, interessant zu sein.

Was bedeutet für dich der Begriff „Beyond Graffiti“?
Ehrlich gesagt: Wir haben gemischte Gefühle bei Begriffen, die mit „Beyond“ anfangen. Es klingt immer ein bisschen nach Selbstdistanzierung vom eigenen Ursprung.
Für uns bedeutet es eher: Graffiti als kulturelle Praxis ernst nehmen — nicht als Vorstufe zu etwas Besserem, sondern als eigenständige Sprache mit eigener Ästhetik, eigenem Kodex und echtem Inhalt.

Welchen Web-Link bzw. Instagram Channel von euch sollen wir in der Broschüre anführen?
studiovierkant.de und @studiovierkant
Wir posten hauptsächlich Projekte. Keine Fotos von uns beim Kaffee trinken.

LEO VOLLAND

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Winzerhausen und Heilbronn

Wo wohnst und arbeitest Du?
Berlin

Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
1990 first Steps in Graffiti, regelmäßige Reisen nach Berlin (=viel mehr entscheidender Input bzgl Graffiti).
Gelebte Jugendkultur, Skateboarding, Snowboarding, mehr oder weniger legale Raves und Jams (mit Graffiti als mitunter als visuelles Begleitphänomen), eine diverse Club-Landschaft und regelmäßige Reisen nach Berlin werden zum Humus für meine weitere Entwicklung. Jugendkultur, progressive musikalische Szenen und ihre visuelle Welten und Moden haben prägenden Einfluss.
1996 – 2002 Studium Kommunikationsdesign (FH Mainz, Diplom), erste Ausstellungen, Erkenntnisse aus dem Studium beeinflussen stark meine Wandbilder. Hier entwickelt sich das Interesse für künstlerische Gestaltung und Kommunikation weiter. Zu dieser Zeit haben Designer und Illustratoren mit ausgesprochen eigenständiger und cooler Bildsprache großen Einfluß auf meine Geschmacksentwicklung.
1998 Gründung Künstlerkollektiv Viagrafik
1999 Erste Ausstellung in Sabines Wursthaus, Wiesbaden
2002 Gründung Via Grafik Designbüro

In den Nuller Jahren mit Via Grafik einerseits viele Ausstellungen gemacht: Graffiti war im Aufbruch, öffnete sich, Grenzen wurden gesprengt zu Design und Kunst. Via Grafik war Teil dieser Entwicklung und war führend darin, sie mit voranzutreiben (z.B. Urban Discipline 2001 in Hamburg, Everwanting Streets in Göteborg, Art of Rebellion Buch). Zum Anderen haben wir als Designkollektiv viele unterschiedliche Gestaltungsprojekte realisiert (z.B Setdesign für MTV und Viva, Hotelzimmerdesigns für Project Fox (VW) oder Bühnenbilder und Kostümgestaltung fürs Hessische Staatstheater Wiesbaden). Zu Beginn der 10er Jahre wurde es uns dann wichtiger, als Studio für Corporate Design im Kulturbereich Fuß zu fassen. Gleichzeitig wurden die freien, mitunter selbstinitierten künstlerischen Projekte zwar weniger, aber dafür noch freier und experimenteller.

Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
1990 erste Steps in Graffiti
Ende der 90er: Erkundung grafischer Methoden und Prinzipen innerhalb Graffiti (z.B. Reduktion, Komposition, Abstraktion,…). Das war damals eine totale Neuerung für Graffiti. Wandbilder sollten universeller erfahrbar sein und nicht für eine kleine Gemeinde an Leuten, die sich am Tweaken und codieren wenig leserlicher Buchstaben und Schriftzüge erfreuen, wie es im Graffiti üblich ist. Buchstaben werden immer mehr als Formen (Umrisse) behandelt und mit zusätzlichen Formen kombiniert und arrangiert, um spannungsvolle grafische Aufbauten zu erzielen. Eher farbreduzierte grafische Arbeiten, oft Schwarz/Chrom.
ab Mitte 00er: mehr künstlerische Konzeption – Orientierung Richtung Kunst, z.B. Arbeiten in Werkreihen. Die Linienführung wird schrittweise rauher, natürlicher und ehrlicher und ich lasse in meinen Bildern eine persönlichere Linienführung zu. Abstrakte Bilder werden gleichwertig umgesetzt wie solche, die immer noch auf meinen Buchstaben beruhen. In der Werkreihe „Desinformation“ von 2005 habe ich eine Serie von Pieces gemalt, die völlig ohne Buchstaben auskommen, aber gleichzeitig auf völlig abstrakte Weise Gestaltungsprinzipien von Graffiti wie z.B. Dekonstruktion, Dynamik, Spontanität, Dekoration, Poppigkeit, Subversion, Radikalität, Aneignung usw. neu interpretieren und darstellen.
ab Mitte der 10er: Wandbilder mit immer mehr zeichnerischer Linienführung und malerischen Oberflächen und malerischer sinnlicher Farbgebung. Arbeiten in Werkreihen (z.B. „No Condition is permanent“) und Publikationen. Hier entwickelte ich eine große Serie von Piece-Prototypen, deren Aufbau sich nicht aus Buchstaben ableitetet, sondern aus der zeichnerischen Entwicklung von Formen und grafischen Möglichkeiten der Sprühdose heraus entwickelte. DIe Erforschung der Sprühdose als grafisches Werkzeug entwickelt sich weiter: was und wie kann man mit der Sprühdose zeichnen – außer Graffiti (= Buchstaben und Figuren)?

Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
Da ich beruflich als Grafikdesigner arbeite und meine freie Arbeit ohne Erwerbsdruck betreibe, suche ich nach Wegen, wie ich im Rahmen meines möglichen Pensums Arbeiten entwickeln kann, die dem Graffiti-Kosmos weiterhin interessante Aspekte hinzufügen. Ich entwickle u.a. grafische Methoden und Designs, die so künstlerisch und experimentell sind in ihrer Machart, dass die Ergebnisse die Grenzen zwischen den Disziplinen verwischen. Ich erforsche nach wie vor die Möglichkeiten der Sprühdose als grafisches Werkzeug: was und wie kann man zeichnen mit der Sprühdose – außer dass dabei „Graffiti“ herauskommt? Ist es dann kein Graffiti mehr? Ich suche nach einer Balance zwischen ästhetischer Herausforderung und überzeugender Wirkung.
Über die Auseinandersetzung mit Mini-Gesten habe ich vor einigen Jahren einen neuen zeichnerischen Weg gefunden, wie ich viele meiner künstlerischen Interessen zusammenbringen kann. Im zeichnerischen Prozess führen bei diesem Ansatz unzählige Variationen und Mikro-Entscheidungen zu rauen, ästhetischen Texturen. Diese wiederum können Grundlage für das Herausarbeiten von Formen und Kompositionen sein.
In Kombination mit ihrer Farbigkeit sollen Werke entstehen, die atmosphärisch eine Art Geräusch nachempfinden lassen, dessen ich mir seit Beginn meiner schöpferischen Laufbahn immer bewusster werde: Die Klänge meiner Seele, wie sie schon seit den Jugendjahren auf den illegalen Parties mit den Melodien, Sounds, der Atmosphäre und den visuellen Eindrücken in der Szenekultur resonierte.
Da das unplanmäßige Sammeln von Erinnerungsgegenständen, visuellen Relikten, Zeitungsausschnitten und Dokumenten der Szenekultur schon immer ein Teil von mir ist, finde ich es spannend, mit meinem Ausstellungsbeitrag einen großen persönlichen Kreis zu schließen: Ich zeige aktuelle Stift- und Sprühdosenzeichnungen neben Dokumenten meiner ersten zeichnerischen Schritte in Richtung Graffiti und Einzelstücken aus meiner Sammlung an Relikten der Szenekultur Anfang der 90er Jahre in Heilbronn (z.B. Flyers, Copy Zines, bedruckte T-Shirts). Somit ist mein Beitrag auch als Hommage an die flirrende Szenekultur der 90er Jahre in Heilbronn zu verstehen.

Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Die Urban Discipline 2002 in Hamburg war sicher ein Meilenstein für mich und Viagrafik. Dort waren viele Künstler*innen versammelt, die mit ihrer Arbeit in der Folgezeit weit über ihr eigenes Genre Strahlkraft entwickelten, wie z.B. Banksy, Os Gemeos, Zedz, oder Honet nennen. Die Ausstellung war für mich und Viagrafik wie eine Initialzündung für sehr ereignisreiche Folgejahre voller spannender künstlerischer Projekte.
Die Werkreihen „Desinformation“, „No Condition is permanent“ und die Publikation bei StickIt Publications haben mich sicherlich jeweils sehr viel weitergebracht in meiner Entwicklung.
Als Grafikdesigner ist sicherlich die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landestheater Marburg, die seit 2008 andauert und sogar einen Intendant*innenwechsel überstanden hat, ebenfalls besonders prägend für meine berufliche Laufbahn.

Was bedeutet für dich der Begriff Beyond Graffiti?
Rückwirkend betrachtet passt der Begriff sehr gut zu meiner eigenen Rolle im Graffitigame während der vergangenen 30 Jahre. Schon früh war es mir als Buchstabenmaler und Formen- bzw. Style-Entwickler wichtig, etwas sehr Eigenes zu entwickeln, die Ästhetik des Traditionellen aufzubrechen und dadurch die Grenzen dessen, was man als Graffiti kannte oder was es sein durfte zu verschieben. Dieser Anspruch ist mir immer erhalten geblieben und geht sogar so weit, dass ich eine starke Tendenz dazu habe, Gestaltungskonzepte, wenn ich sie so weit entwickelt habe, dass sie funktionieren, recht schnell wieder hinter mir lasse, um mir neue Türen zu öffnen, mich selbst zu überraschen und bloß nicht zu stagnieren. Dies ist zwar einerseits spannend, aber andererseits natürlich sehr aufwandsintensiv, da man sich weniger auf Erprobtes verlässt, sondern immer wieder neue intensive Entwicklungsphasen zu durchlaufen hat. Das Arbeiten in Werkreihen bedeutet zudem ein weniger greifbares Künstlerimage für die Außenwelt, da der Stil des Outputs auch Brüche mit sich bringt.
In meiner Funktion als Kurator wiederum habe ich die Phrase Beyond Graffiti so ausgelegt, dass ich der Heilbronner Öffentlichkeit gerne eine Bandbreite an Künstlern und Arbeiten vorstellen möchte, die den Begriff Graffiti über das allgemein Bekannte ausdehnen: Artists, die sich auf Grundlage von Graffiti deutlich weiterentwickelt haben – bishin zu Künstler*innen wie Gizem Erdem, die nicht wegen der Sprühdose Illustratorin geworden ist, sondern die erst als ausgebildete Illustratorin die Sprühdose als zusätzliches Werkzeug entdeckt hat oder wie Benjakon, der sich überhaupt nicht auf irgendwelche graffitispezifischen Codes bezieht, sondern in dessen Arbeiten Graffiti nur stelllenweise in Form menschgemachter Spuren im städtischen Umraum auftaucht.

MARC C. WOEHR

Wo bist Du geboren und aufgewachsen?
Ich bin in Heilbronn geboren und in Neckarsulm aufgewachsen.
 
Wo wohnst und arbeitest Du?
Ich lebe und arbeite in Stuttgart, Süddeutschland.
 
Bitte beschreibe kurz deinen Werdegang. Auf welchem Weg bist du Künstler geworden? Welche Ausbildungen und Abschlüsse hast Du gemacht? Und wann? Hast Du auch in anderen Bereichen gearbeitet als in dem, wofür du bei uns eingeladen wurdest?
Ich habe ursprünglich eine Ausbildung als Werkzeugmacher (1989) gemacht und später als Mediengestalter (2004) gearbeitet. 2006 habe ich mich entschieden, den Weg als Künstler konsequent zu verfolgen und bin in die professionelle künstlerische Praxis eingestiegen.
 
Beschreibe bitte deine künstlerische Entwicklung – wie hast Du angefangen und wohin hast Du dich entwickelt? Gab es wichtige Zwischenschritte auf diesem Weg?
Meine Arbeit hat ihren Ursprung in der urbanen Kunst und im direkten Arbeiten im öffentlichen Raum. Früh ging es mir darum, Materialien zu kombinieren und Flächen zu verändern – oft spontan, roh und unmittelbar.
Im Laufe der Zeit hat sich meine Arbeit zunehmend in den Raum verlagert. Ich arbeite heute verstärkt mit Reliefs, Objekten und installativen Ansätzen, häufig unter Einbeziehung von Materialien wie Holz, Spiegel oder Licht.
Ein zentraler Aspekt meiner Entwicklung ist das Sichtbarmachen von Prozessen: Schichten, Eingriffe und Strukturen bleiben bewusst lesbar und werden Teil der Arbeit selbst.
 
Schreibe bitte einige Sätze über deinen Ausstellungsbeitrag. Woran arbeitest Du künstlerisch gerade? Was ist dir wichtig, zu deiner Arbeit mitzuteilen?
In meiner aktuellen Arbeit beschäftige ich mich mit dem Zusammenspiel von Material, Raum und Wahrnehmung.
Mich interessiert, was unter der Oberfläche liegt – sowohl im physischen als auch im übertragenen Sinn. Meine Arbeiten entstehen oft aus einem direkten, haptischen Prozess heraus und entwickeln sich im Dialog mit dem Material. Zufall und Kontrolle spielen dabei eine gleichwertige Rolle.
Für mich geht es weniger um das perfekte Bild, sondern um Spannung, Bruch und die Offenheit, die im Prozess entsteht.
In der Ausstellung zeige ich eine Lichtinstallation sowie ein freihängendes Relief.
Die Lichtarbeit arbeitet mit Reflexion, Raumtiefe und Wahrnehmungsverschiebung – sie verändert sich je nach Blickwinkel und Situation.
Das freihängende Relief löst sich von der Wand und tritt stärker in den Raum. Es macht die Schichtung und den Entstehungsprozess sichtbar und spielt mit der Grenze zwischen Objekt und Bild. Für mich geht es weniger um das perfekte Bild, sondern um Spannung, Bruch und die Offenheit, die im Prozess entsteht.
 
Auf welche Projekte und Kollaborationen in deiner Laufbahn schaust Du besonders gerne zurück? Welche sind deiner Ansicht nach besonders erwähnenswert?
Ein wichtiger Moment in meiner Laufbahn war die Teilnahme am Primary Flight Projekt in Miami (2008), bei dem ich als deutscher Künstler Teil einer internationalen Street-Art-Szene wurde.
Zu den Meilensteinen meiner Arbeit zählt auch die Beteiligung am 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Berlin, bei dem ich fünf Steine künstlerisch gestalten durfte.
Ein weiteres prägendes Projekt war die Präsentation eines zwei auf zwei Meter großen Würfels als skulpturales Objekt auf der Champs-Élysées im Rahmen einer Kunstmesse in Paris.
Auch meine Arbeiten im öffentlichen Raum in Portugal, insbesondere in Lissabon und im Kontext von Nazaré, haben meine künstlerische Entwicklung stark geprägt. Dort konnte ich freier, größer und unmittelbarer arbeiten.
In Barcelona habe ich einen Art Park an der Barceloneta initiiert, konzipiert und gemeinsam mit einem Team umgesetzt. Meine Arbeiten waren dort über mehrere Wochen im öffentlichen Raum präsent und traten in direkten Dialog mit dem urbanen Umfeld und den Menschen.
Generell sind für mich Projekte besonders spannend, bei denen Kunst außerhalb klassischer Räume stattfindet und unmittelbar im Alltag sichtbar wird.
 
Was bedeutet für dich „Beyond Graffiti“?
Für mich bedeutet „Beyond Graffiti“, den Ursprung der urbanen Kunst nicht zu verlassen, sondern ihn weiterzudenken.
Es geht darum, die Energie, Direktheit und Haltung von Graffiti in neue Kontexte zu übertragen – in Materialien, Räume und künstlerische Formate, die über die klassische Wand hinausgehen.
 
Welchen Web-Link bzw. Instagram Channel von dir sollen wir in der Broschüre anführen?
@marcwoehr

ZEDZ

Where were you born and where did you grow up?
I am born in Leiden and grew up between Leiden, The hague and Amsterdam

Where do you live and work?
Currently I am working and Living in Amsterdam

Please briefly describe your career path. How did you become an artist? What training and qualifications do you have? And when did you gain them? Have you also worked in fields other than the one for which you were invited to participate here?
I started off with doing graffiti in my early youth and when I became older I started looking for ways to keep it interesting for myself. After graduating from high school it felt natural to go to the art academy which and I attended at the Gerrit Ritveld Academy in Amsterdam, originally I set off becoming a graphic designer but somewhere I drifted off developing more like an autonome artist, this is also when I seized the opportunity to elevate my graffiti. I have done canvas paintings, build monumental sculptures, crossed my graffiti over into architecture, got an interest in screen printing and when the time was right I was there doing huge abstract murals in public space.. I have been working as a freelancer and in the last years as a furniture maker also. Right now I have a screen printing studio in the centre of Amsterdam.

Please describe your artistic development – how did you start and in which direction have you developed? Were there any significant milestones along the way?
I used to do very basic graffiti when I was younger but under the guidance of older artists I realised I had to come plan and scheme to make a difference. I loved drawing and graffiti bombing a lot it was lovely to go out at night and paint but at the same time I also developed an interest in more abstract work. The more abstract and linear work i could understand and it felt like something I wanted to explore and not much later I started making graffiti cross overs with architecture and got inspired by Japanese anime robotics

Please write a few sentences about your contribution to the exhibition. What are you currently working on artistically? What do you feel is important to share about your work?
I want to show works that research and explore the tension between the flat and dimensional and play with scale.. ultimately i make the spectator of the work also the main character by giving a feeling of being part of the work

Which projects and collaborations in your career do you particularly like to look back on? Which ones do you think are particularly worth mentioning?
Around the turn of the century Maurer United Architects, Delta and me were exploring how new media, architecture and graffiti could go well together instead of being opponents. I think at the time there was a moment in which it felt right and relevant and I think we were front runners trying to create a hybrid and researched not yet explored terrain.. I do think this has had a massive influence on what i do right now and how I developed as an artist

What does the term ‘Beyond Graffiti’ mean to you?
The word ‘BEYOND’ was one of the first words by which I was blown away when I heard it as a teenager, I remember it was difficult at the time to understand the meaning as the word somehow was poetically charged.. ‘Beyond imagination’ like you cannot ever even start to imagine.. over the hills and through the valley.. you will not know what you find there but somehow one dreams that it is going to be much different from how we know it as it is right here right now.. The word ‘Graffitit’ became more and more chagred over the years while echoing the past its full meaning seems not yet casted. Together both words making a little sentence in my opinion it outlines something uncontrolled, out of bounds, where rules and regulations hardly apply while at the same time bouncing off and staying within constantly redefining parameters.

Which web link or Instagram channel of yours should we include in the brochure?
@instazedz